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Ratgeber & Tipps

Leben mit Diabetes: Wie kann man sich mit der Krankheit arrangieren?

Teile dieses Inhalts wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt oder bearbeitet.

Kurz-Antwort: Sich mit Diabetes zu arrangieren ist kein einmaliger Moment, sondern ein Prozess, den Fachleute als Krankheitsbewältigung oder Coping bezeichnen. Er verläuft typischerweise in Phasen – von Verleugnung über Wut und Verhandeln bis hin zu Depression und schließlich Akzeptanz – ist dabei aber kein starrer Fahrplan, sondern eher ein roter Faden, zu dem man bei neuen Rückschlägen auch wieder zurückkehren kann. Entscheidend ist, sich aktiv mit der Erkrankung auseinanderzusetzen, statt sie zu verdrängen oder dagegen anzukämpfen.

Die Frage, die sich fast jeder nach der Diagnose stellt

Diabetes ist von außen kaum sichtbar – anders als bei vielen anderen Erkrankungen merkt das Umfeld oft nur indirekt und mittelbar, was im eigenen Alltag wirklich passiert. Dabei reicht die Bandbreite von leichten Unannehmlichkeiten bis zu massiven Einschränkungen. Kein Wunder, dass sich nach der Diagnose fast automatisch die Frage stellt: Wie arrangiere ich mich mit etwas, das bleiben und sich in vielen Fällen sogar schleichend verschlechtern wird?

Was Krankheitsbewältigung eigentlich bedeutet

Krankheitsbewältigung, in der Fachsprache auch Krankheitsverarbeitung oder Coping genannt, wird treffend definiert als das Bemühen, die durch eine Krankheit bereits bestehende oder erwartete Belastung innerpsychisch – also emotional und gedanklich – oder durch gezieltes Handeln aufzufangen, auszugleichen und zu verarbeiten. Wichtig dabei: Diese Bewältigung geschieht nicht auf einen Schlag, sondern ist ein Prozess, der sich über verschiedene Phasen erstreckt und individuell sehr unterschiedlich verläuft.

Die fünf Phasen der Krankheitsakzeptanz

In der Literatur werden häufig fünf typische Phasen beschrieben, die Menschen bei der Konfrontation mit einer chronischen Erkrankung durchlaufen:

  1. Verleugnung: Die Diagnose wird zunächst nicht wahrhaben wollen – ein psychologischer Puffer, der es ermöglicht, die neue Realität nach und nach zuzulassen, statt sofort mit ihrer vollen Wucht konfrontiert zu sein
  2. Zorn: Fragen wie „Warum gerade ich?“ stehen im Vordergrund, begleitet von Wut, teils auch Vorwürfen gegenüber sich selbst oder anderen
  3. Verhandeln: Der Versuch, die Krankheit doch noch irgendwie abzuwenden oder zu kontrollieren, oft verbunden mit intensiver Informationssuche
  4. Depression: Durch zunehmende Einschränkungen oder ein verändertes Körperbild kann das Selbstwertgefühl leiden – eine nachvollziehbare Reaktion, die als solche anerkannt und nicht vorschnell pathologisiert werden sollte
  5. Akzeptanz: Die Krankheit wird als Teil des eigenen Lebens angenommen, ohne dass sie das gesamte Selbstbild dominiert

Wichtig zu verstehen: Dieses Phasenmodell ist kein starrer Fahrplan, sondern eher ein roter Faden. Der Verlauf ist individuell unterschiedlich und hängt auch vom Alter ab. Insbesondere neue Krankheitsschübe oder frisch auftretende Folgeerkrankungen können einen „Rückfall“ in frühere Phasen auslösen – das ist normal und kein Zeichen dafür, etwas falsch gemacht zu haben.

Der Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt

Fachquellen beschreiben einen besonders wichtigen Mechanismus bei Diabetes: Eine unzureichende Blutzuckerkontrolle erhöht das Risiko für Folgeerkrankungen – diese wiederum verschlechtern die Akzeptanz der Krankheit zusätzlich, was die Motivation zur guten Selbstfürsorge weiter untergräbt. Ein Teufelskreis entsteht. Ihn frühzeitig zu erkennen ist der erste Schritt, um gegenzusteuern, bevor er sich verfestigt.

Aktiv statt vermeidend: Der entscheidende Unterschied

Die chronische Erkrankung Diabetes erfordert eine lebenslange Anpassungsleistung. Fachquellen empfehlen dazu einen klaren Ansatz: sich aktiv um die eigene Erkrankung zu kümmern und sich mit ihr auseinanderzusetzen, statt ständig gegen sie anzukämpfen oder sie zu verdrängen – Letzteres raubt auf Dauer nur zusätzliche Energie. Den eigenen Diabetes emotional anzunehmen bedeutet dabei ausdrücklich nicht, mit ihm zu hadern, ihn zu verdrängen oder sich selbst dafür Schuldgefühle zu machen.

Wenn professionelle Unterstützung sinnvoll wird

Für Menschen, bei denen die Krankheitsbewältigung mit psychischen Belastungen einhergeht, gibt es in Deutschland eine eigene Spezialisierung: Psychodiabetologen sind approbierte Psychologische Psychotherapeut:innen mit einer zusätzlichen Weiterbildung speziell für Diabetes. Sie arbeiten in multidisziplinären Teams und unterstützen gezielt bei der Krankheitsakzeptanz und -bewältigung, bei der Motivation sowie beim Erlernen von Stressbewältigungs- und Copingtechniken – für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren gleichermaßen. Wie wir bereits in unserem Artikel zu Diabetes-Distress beschrieben haben, ist die emotionale Belastung durch die tägliche Selbstkontrolle weit verbreitet – der Weg zu einer solchen spezialisierten Fachperson ist deshalb kein überzogener Schritt, sondern eine anerkannte, sinnvolle Unterstützung.

Eine besonders kritische Phase: die Pubertät

Bei Jugendlichen mit Diabetes gilt die Pubertät als besonders herausfordernde Zeit: Ihnen wird oft erst in diesem Alter richtig bewusst, dass sie mit einer chronischen Erkrankung ihr gesamtes Leben lang zurechtkommen und Insulin spritzen müssen. Eltern und Betreuende sollten diese Phase mit besonderer Aufmerksamkeit begleiten, da sich hier die Weichen für den langfristigen Umgang mit der Erkrankung oft neu stellen.

Praktische Bausteine für den Alltag

  • Aktive statt vermeidende Auseinandersetzung: Informationen einholen, Fragen stellen, statt Themen rund um die Erkrankung auszublenden
  • Digitale Unterstützung nutzen: Apps mit Erinnerungsfunktionen, Tagebüchern und Kohlenhydratrechnern können den Alltag mit der Erkrankung spürbar erleichtern
  • Das soziale Umfeld einbeziehen, wie wir bereits in unserem Artikel zu Diabetes und der Familie beschrieben haben – Krankheitsbewältigung gelingt selten vollständig allein
  • Rückschritte als Teil des Prozesses akzeptieren, statt sie als Scheitern zu werten
  • Bei anhaltender Belastung aktiv professionelle Unterstützung suchen, etwa über eine Psychodiabetologin oder einen Psychodiabetologen

Häufige Fragen zum Leben mit Diabetes (FAQ)

Muss ich die fünf Phasen der Krankheitsakzeptanz alle nacheinander durchlaufen? Nein, das Modell ist kein starrer Fahrplan. Manche Phasen werden übersprungen, andere mehrfach durchlebt, insbesondere nach neuen Rückschlägen wie zusätzlichen Folgeerkrankungen.

Ist es normal, dass ich meinen Diabetes manchmal wieder schwerer akzeptieren kann als früher? Ja, ein „Rückfall“ in frühere Phasen der Krankheitsverarbeitung ist normal, besonders bei neuen gesundheitlichen Herausforderungen, und kein Zeichen persönlichen Versagens.

Was ist ein Psychodiabetologe? Eine approbierte Psychologische Psychotherapeutin oder ein Psychotherapeut mit einer speziellen Zusatzausbildung für die psychologische Begleitung von Menschen mit Diabetes.

Warum verschlechtert eine schlechte Krankheitsakzeptanz auch die körperlichen Werte? Weil ein Teufelskreis entstehen kann: Schlechte Blutzuckerkontrolle begünstigt Folgeerkrankungen, diese erschweren wiederum die emotionale Akzeptanz der Erkrankung, was die Motivation zur Selbstfürsorge zusätzlich schwächt.

Wie kann ich meinem Kind helfen, das gerade in die Pubertät kommt und mit Diabetes zurechtkommen muss? Besondere Aufmerksamkeit und offene Gespräche sind hier besonders wichtig, da Jugendlichen in dieser Phase oft erstmals richtig bewusst wird, dass die Erkrankung ein lebenslanger Begleiter sein wird.

Mein Fazit

Sich mit Diabetes zu arrangieren ist kein Ziel, das man einmal erreicht und dann für immer behält, sondern ein andauernder Prozess mit Höhen und Tiefen. Die Krankheit aktiv anzunehmen, statt sie zu verdrängen oder gegen sie anzukämpfen, macht dabei den entscheidenden Unterschied – und niemand muss diesen Weg allein gehen, wenn professionelle oder soziale Unterstützung gebraucht wird.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle psychologische oder ärztliche Beratung.

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