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Stand: 16. Oktober 2026, 13:05 Uhr. Der Bundestag muss noch entscheiden.
Kurz-Antwort: Das Bundeskabinett hat am 14. Oktober 2026 eine Zuckersteuer auf Getränke beschlossen, als Vorlage für den Bundestag [1]. Geplant ist der Start am 1. Juli 2027. Ab 5,0 g Zucker pro 100 ml kostet sie 26 Cent pro Liter, ab 8,0 g sind es 32 Cent [1]. Zero, Light, reine Säfte, Milch und Haferdrinks bleiben frei [1]. Ich halte sie trotzdem nicht für die richtige Antwort und setze lieber auf Aufklärung.
Das Wichtigste in Kürze
- Start: geplant am 1. Juli 2027, nur wenn der Bundestag zustimmt [1].
- Stufen: unter 5,0 g Zucker pro 100 ml steuerfrei, 5,0 bis unter 8,0 g 26 Cent, ab 8,0 g 32 Cent pro Liter [1].
- Betroffen: Limonaden, Eistees, Energydrinks, Fruchtnektar, gesüßte Schorlen, Sirupe und Konzentrate [1].
- Ausgenommen: Zero und Light, reine Säfte, ungesüßte Schorlen, Milch- und Haferdrinks, alkoholfreies Bier, Alkohol [1].
- Offen: Auf der Tagesordnung des Bundestags bis 16. Oktober 2026 steht die Steuer nicht [33].
Die Zuckersteuer setzt bei 5,0 g Zucker pro 100 ml an [1]. Dieselbe Zahl steht bei uns im Namen. Unsere 5-%-Regel ist simpel: Unter 5,0 g Zucker pro 100 g ist ein Lebensmittel bei 5sugar grün.
Die 5 haben wir uns nicht ausgedacht. Nach EU-Recht darf ein festes Lebensmittel nur dann „zuckerarm“ heißen, wenn es höchstens 5 g Zucker pro 100 g enthält [53]. Für uns war diese Grenze von Anfang an der schnellste Weg, ein Etikett zu lesen. Jetzt setzt auch der Staat bei dieser Zahl an, und bei Getränken sind wir sogar noch strenger als er (dazu weiter unten mehr). Das zeigt mir, dass die Grenze nicht aus der Luft gegriffen ist. Nur ziehen wir unterschiedliche Schlüsse daraus: Wir setzen auf Information, der Staat auf einen Aufpreis.

Ich habe die Diagnose Prädiabetes bekommen. Danach war ich mit meiner Frau bei der Ernährungsberatung, und uns sind die Augen aufgegangen. Meine Mutter hatte Diabetes und hat ihre Broteinheiten in einem Heftchen gezählt.
Ich will niemandem vorschreiben, was in seinen Einkaufswagen kommt. Ich verstehe, warum viele Fachleute eine Zuckersteuer fordern, und ich nehme diese Sorge ernst. Trotzdem glaube ich, dass sie an der falschen Stelle ansetzt. Deshalb trenne ich hier sauber: erst die Fakten, dann meine Meinung.
Das Kabinett hat am 14. Oktober 2026 eine Formulierungshilfe beschlossen, also einen ausformulierten Gesetzestext, den die Fraktionen von CDU/CSU und SPD im Bundestag einbringen sollen [1][2]. Ein Gesetz ist die Zuckersteuer damit noch nicht, entscheiden muss der Bundestag. Die Vorlage stammt aus dem Finanzministerium von Lars Klingbeil (SPD), seit 6. Mai 2025 Finanzminister und Vizekanzler [18][3]. Der Weg dahin:
Laut Handelsblatt wollen mehr als 20 Unionsabgeordnete nicht zustimmen [14].
Faktencheck: Diese Angaben sind veraltet
- „Ab 2028, rund 450 Millionen Euro im Jahr“: Stand Mai 2026 [7]. Heute ist der 1. Juli 2027 geplant, das Finanzministerium erwartet 690 Millionen Euro (2027) und 925 Millionen Euro (2028) [1].
- „Drei Stufen, bis 38 Cent ab 10,0 g“: Entwurf vom 30. September [8]. Beschlossen sind zwei [1].
- „Auch auf Zero, Fruchtsäfte, Haferdrinks und alkoholfreies Bier“: Papier vom August [10][11]. Heute ausgenommen, bei Saft gilt das für reinen Saft [1].
- „Das Kanzleramt hat die Steuer gestoppt“: Stand 1. Oktober [9]. Am 14. Oktober folgte der Kabinettsbeschluss [1].
Geplant ist der 1. Juli 2027, und zwar nur, wenn der Bundestag die Steuer beschließt [1]. Gemessen wird der gesamte Zucker pro 100 ml, zahlen müssen Hersteller oder Großhandel [1]. Der Entwurf ist laut tagesschau aber darauf angelegt, dass die Steuer im Preis bei dir ankommt [2].
| Zucker pro 100 ml | Steuer pro Liter | mit 19 % Mehrwertsteuer |
|---|---|---|
| unter 5,0 g | keine | keine |
| 5,0 g bis unter 8,0 g (Stufe 1) | 26 Cent | rund 31 Cent |
| ab 8,0 g (Stufe 2) | 32 Cent | rund 38 Cent |
Die Zuckersteuer ist eine Verbrauchsteuer, also eine Steuer auf eine bestimmte Ware, und steht dem Bund zu [5]. Auf sie fällt noch die Mehrwertsteuer von 19 % [29][2]. Für einen Liter Cola rechnet die tagesschau deshalb mit rund 38 Cent: 32 Cent Steuer plus rund 6 Cent Mehrwertsteuer [2]. Ob alles weitergegeben wird, ist offen. International kamen laut FinanzKommission im Schnitt 82 % der Steuer an der Kasse an [6].
Betroffen sind gesüßte Getränke ab 5,0 g Zucker pro 100 ml: Limonaden, Eistees, Energydrinks, Fruchtnektar und gesüßte Schorlen, dazu Sirupe und Konzentrate, etwa für Trinkwassersprudler [1]. Frei bleiben Getränke mit Süßungsmitteln, reine Säfte, ungesüßte Schorlen, Milch- und Haferdrinks sowie alkoholfreies Bier [1].
| Betroffen (ab 5,0 g Zucker pro 100 ml) | Ausgenommen |
|---|---|
| Limonaden wie Cola und Orangenlimonade | Getränke mit Süßungsmitteln (Zero, Light) |
| Eistees und Energydrinks | reine Frucht- und Gemüsesäfte, ungesüßte Schorlen |
| Fruchtnektar und gesüßte Fruchtschorlen | Milch, Hafer- und Reisdrinks und Mischgetränke daraus |
| Saftkonzentrate mit Zuckerzusatz | alkoholfreies Bier, alkoholfreier Wein und Mischgetränke auf dieser Basis |
| Sirupe und Konzentrate für Gastronomie und Trinkwassersprudler | alkoholhaltige Getränke |
Für kleine, unabhängige Hersteller bis 70.000 Liter im Jahr sind Ausnahmeregelungen vorgesehen. Eine vollständige Befreiung für Betriebe bis 1 Million Liter braucht noch eine Genehmigung der EU-Kommission [1]. So sieht das im Regal aus, mit den Zuckerwerten der Hersteller (Stand 15. Oktober 2026):
| Getränk | Zucker pro 100 ml | Stufe | Steuer inkl. 19 % MwSt. pro Liter | Aufpreis pro Gebinde |
|---|---|---|---|---|
| Red Bull Energy Drink | 10,8 g (27 g je 0,25 l) [39] | 2 | 38,1 Cent | 0,25-l-Dose: 9,5 Cent |
| Coca-Cola (Original) | 10,6 g [34] | 2 | 38,1 Cent | 0,33-l-Dose: 12,6 Cent |
| Paulaner Spezi | 9,2 g [43] | 2 | 38,1 Cent | 0,5-l-Flasche: 19,0 Cent |
| Capri-Sun Orange | 8,6 g [40] | 2 | 38,1 Cent | 0,2-l-Beutel: 7,6 Cent |
| Sprite | 7,9 g [36] | 1 | 30,9 Cent | 0,33-l-Dose: 10,2 Cent |
| Mezzo Mix | 7,9 g [41] | 1 | 30,9 Cent | 1,5-l-Flasche: 46,4 Cent |
| Fanta Orange | 7,6 g [35] | 1 | 30,9 Cent | 0,33-l-Dose: 10,2 Cent |
| Fuze Tea Pfirsich | 6,9 g [37] | 1 | 30,9 Cent | 1,5-l-Flasche: 46,4 Cent |
| Club-Mate Original | 5,0 g [44] | 1 | 30,9 Cent | 0,5-l-Flasche: 15,5 Cent [45] |
| Fuze Tea Pfirsich Hibiskus (mit Zucker und Stevia) | 4,3 g [37] | keine (unter 5,0 g) | 0 | 0 |
| hohes C Milder Apfel (100 % Saft) | 9,6 bis 10 g [46] | keine (reiner Saft) | 0 | 0 |
| hohes C Milde Orange (100 % Saft) | 8,8 g [47] | keine (reiner Saft) | 0 | 0 |
| Lift Apfelschorle (ohne Zuckerzusatz) | 5,8 g [38] | keine (ungesüßte Schorle) | 0 | 0 |
| Oatly Haferdrink Barista Edition | 3,4 g [48] | keine (Haferdrink) | 0 | 0 |
| Coca-Cola Zero Sugar | 0 g [42] | keine (Süßungsmittel) | 0 | 0 |
So habe ich gerechnet: Füllmenge in Litern mal Steuer pro Liter mal 1,19 für die Mehrwertsteuer. Das gilt, wenn die Hersteller die Steuer komplett an dich weitergeben, und das ist noch offen. Bei Fuze Tea und Capri-Sun nennen die Hersteller keine Packungsgröße, ich habe mit 1,5 l und 0,2 l gerechnet. Die Flaschengröße von Club-Mate stammt von Open Food Facts [45].
Cola Zero und andere Zero- oder Light-Getränke bleiben steuerfrei, weil sie mit Süßungsmitteln gesüßt sind [1]. Hafermilch ist als Haferdrink ausgenommen, unabhängig vom Zuckergehalt [1]. Alkoholfreies Bier und Mischgetränke auf seiner Basis sind ebenfalls frei. Für alkoholhaltige Getränke gibt es in der Regel eigene Verbrauchsteuern [1].
Zum Papier aus dem Ministerium sagte Klingbeil am 26. August 2026: „Es wird keine Steuern geben auf nicht zuckerhaltige Getränke.“ [10]
Ich bin bei Zero pragmatisch. Zu meinen Favoriten gehört Jever Fun, ein alkoholfreies Bier, und das bleibt steuerfrei. Mit Wasser, ungesüßtem Tee und zuckerfreien Getränken bist du ohnehin auf der steuerfreien Seite.
Bei voller Weitergabe wird eine 0,33-l-Dose Cola rund 12,6 Cent teurer, eine 1,5-l-Flasche in Stufe 2 rund 57 Cent. Eine Kiste mit 12 Flaschen zu je 1 Liter kostet rund 4,57 Euro mehr. Wer täglich einen Liter Cola trinkt, zahlt im Jahr rund 139 Euro zusätzlich.
| Beispiel | Stufe 1 (26 Cent pro Liter) | Stufe 2 (32 Cent pro Liter) |
|---|---|---|
| Dose 0,33 l | 10,2 Cent | 12,6 Cent |
| Flasche 1,5 l | 46,4 Cent | 57,1 Cent |
| Kiste 12 x 1 l | 3,71 Euro | 4,57 Euro |
| eine 0,33-l-Dose täglich, ein Jahr | 37,27 Euro | 45,87 Euro |
| 1 Liter täglich, ein Jahr | 112,93 Euro | 138,99 Euro |
Alle Werte inklusive Mehrwertsteuer und bei voller Weitergabe. Hersteller können ihre Rezepturen ändern: Unter 8,0 g gilt Stufe 1, unter 5,0 g keine Steuer [1]. Fuze Tea zeigt, wie nah das beieinanderliegt: Pfirsich hat 6,9 g, Pfirsich Hibiskus mit Zucker und Stevia 4,3 g [37].

Unter 5,0 g Zucker pro 100 ml heißt künftig steuerfrei [1]. Bei festen Lebensmitteln setzt unsere 5-%-Regel bei derselben Zahl an. Bei Getränken sind wir strenger: Dort zeigt 5sugar erst bei höchstens 2,5 g Zucker pro 100 ml Grün, denn nur so viel darf ein Getränk nach EU-Recht haben, wenn es „zuckerarm“ heißen soll [53]. Warum bei Getränken die Hälfte gilt, erkläre ich in einem eigenen Artikel. Steuerfrei heißt also noch lange nicht zuckerarm. Fuze Tea Pfirsich Hibiskus mit 4,3 g zahlt keine Zuckersteuer, bei 5sugar ist er trotzdem nicht grün [37]. Club-Mate Original liegt laut Hersteller genau bei 5,0 g und damit schon in Stufe 1 [44].

Das kannst du ganz einfach selbst prüfen (und ja, das sage ich als jemand, der eine Scanner-App gebaut hat).
Ab hier geht es um meine Meinung. Die Zahlen dahinter sind belegt, die Schlüsse ziehe ich selbst.
Gegen die Steuer ist auch die Getränkewirtschaft. Ihr Verband, die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke, hält sie „weiterhin nicht für zielführend“ [52]. Der Verband vertritt die Hersteller, die die Steuer zahlen würden. Meine Gründe sind andere.

1. Eher Haushalts- als Gesundheitspolitik. Laut Finanzministerium soll das Geld helfen, „die Beiträge für die Gesetzliche Krankenversicherung stabil zu halten“ [1], konkret über eine kleinere Kürzung des Bundeszuschusses an den Gesundheitsfonds [4]. Die FinanzKommission rechnete mit denselben Steuersätzen mit rund 450 Millionen Euro im Jahr. Sie nannte selbst eine Unsicherheit von bis zu 50 % nach oben oder unten, je nachdem, wie stark die Hersteller ihre Rezepturen ändern [6]. Das Ministerium erwartet für 2028 trotzdem rund das Doppelte, 925 Millionen Euro [1]. Wie es auf diese Zahl kommt, steht in seiner Mitteilung nicht [1]. Der Verbraucherzentrale Bundesverband sieht die Steuer als „Investition in die Gesundheit der Menschen, kein Mittel zur Haushaltssanierung“ [30]. Auch die Bundesärztekammer, die eine klug ausgestaltete Abgabe befürwortet, will die Einnahmen laut AOK-Fachdienst gezielt für Prävention einsetzen [10]. Der CSU-Fraktionschef im Bayerischen Landtag, Klaus Holetschek, warnt laut tagesschau, sie werde „im Haushalt versickern“ [15]. Ist das Abzocke? Für mich fühlt sich das jedenfalls eher nach Haushaltskasse an als nach Gesundheitspolitik. Wie siehst du das?

2. Handwerklich passt es nicht. Ein reiner Saft wie hohes C Milder Apfel hat 9,6 bis 10 g Zucker pro 100 ml und bleibt steuerfrei, Fuze Tea Pfirsich mit 6,9 g zahlt [46][37][1]. Dabei zählt nach WHO-Definition auch der Zucker im Saft zu den freien Zuckern. Die WHO empfiehlt, weniger als 10 % der täglichen Energie über freie Zucker aufzunehmen, bei 2.000 kcal sind das rund 50 g [50]. Die FinanzKommission, die die Ausnahme empfohlen hat, begründet sie damit, dass Saft auch Vitamine und Mineralstoffe liefert [6]. Für den Zucker macht das keinen Unterschied. Wer wegen Prädiabetes auf Zucker achtet, bekommt beim Saft also das falsche Signal. Und wenn schon nach Zucker gestaffelt wird: Eine Cola mit 10,6 g Zucker pro 100 ml zahlt pro Liter genauso viel wie ein Getränk mit 8,0 g, weil es nur zwei Stufen gibt [34][1].

3. Nur Getränke. Süßwaren, Backwaren und andere zuckerhaltige Lebensmittel sind nicht erfasst [1]. Wie viel Zucker die Menschen in Deutschland heute über Limonaden aufnehmen, ist nicht genau bekannt. In der Nationalen Verzehrsstudie II von 2005 bis 2007 kamen rund 12 % der freien Zucker aus Limonaden und rund 26 % aus Nektaren und Fruchtsäften [6][49]. Neuere Verbrauchsdaten für 2024 deuten laut FinanzKommission auf bis zu 19 g Zucker pro Tag aus gezuckerten Erfrischungsgetränken hin, das wären bis zu 38 % der Höchstmenge, die die WHO empfiehlt [6]. Süßwaren lieferten in der Verzehrsstudie aber noch mehr dieser Zucker als Limonaden [49], und sie bleiben von der Steuer unberührt, genau wie viele Zuckerfallen im Supermarkt.
4. Sie trifft die Falschen. Zuckersteuern „gelten als potenziell regressiv, da Haushalte mit niedrigerem Einkommen relativ stärker belastet werden“, schreibt das Wissenschaftliche Institut der PKV [19]. Fair ist der Gegenbefund: In diesen Haushalten können die Gesundheitsgewinne höher ausfallen [6][19], und in Mexiko kauften solche Haushalte im ersten Steuerjahr 2014 im Schnitt 9 % weniger besteuerte Getränke, als nach dem Trend vor der Steuer zu erwarten war. Der Rückgang war größer als in anderen Haushalten (Beobachtungsstudie) [24]. Ich finde trotzdem, dass 4,57 Euro mehr pro Kiste eine Familie mit knappem Budget härter trifft.
5. Bevormundung über das Preisschild. Bei mir hat Wissen etwas verändert, ein Aufpreis hätte das nicht geschafft. Das ist meine Erfahrung, keine Studie. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD steht im Abschnitt „Umwelt und Ernährung“: „Wir setzen vor allem auf Freiwilligkeit, Anreize und Eigenverantwortung“ [17]. Eine Zuckersteuer kommt dort nicht vor [17]. Vereinbart hat die Koalition sie erst später, mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz [1].
6. Das Hin und Her. Erst Start 2028, dann Juli 2027, erst drei Stufen, dann zwei, Zero im Papier und wieder raus. Für Hersteller ist das schwer planbar, für dich im Supermarkt schwer zu durchschauen.
7. Bei Erwachsenen ist die Wirkung auf die Gesundheit unsicher. Dass solche Steuern die Nachfrage nach gezuckerten Getränken und den Zuckerkonsum verringern, zeigt die internationale Evidenz laut FinanzKommission [6]. Bei Kindern und Jugendlichen weisen Studien auch auf gesundheitliche Vorteile hin. Für Erwachsene ist die Evidenz dagegen „begrenzter und uneinheitlicher“ [6]. Effekte auf Typ-2-Diabetes zeigen sich erst nach vielen Jahren, deshalb gibt es dazu bisher nur Modellrechnungen [6]. Was die Steuer für die Gesundheit von Erwachsenen in Deutschland bewirkt, ist offen.
Die Gegenseite hat gute Argumente. Die WHO wirbt für Gesundheitssteuern: Mit ihrer Initiative „3 by 35“ sollen die realen Preise für Tabak, Alkohol und zuckerhaltige Getränke bis 2035 um mindestens 50 % steigen [23].
Großbritannien hat seit April 2018 eine Abgabe mit denselben Grenzen, ab 5,0 g und ab 8,0 g [21]. Von 2015 bis 2024 ging der Zuckergehalt der Getränke im Geltungsbereich der Abgabe, zuckerfreie Varianten eingeschlossen und gewichtet nach Absatz im Handel, von 3,7 auf 1,9 g pro 100 ml zurück, laut Behörde um 47,4 % [20]. Die verkaufte Zuckermenge fiel um 39,8 %, obwohl der Absatz um 13,5 % stieg [20]. Mehr als drei Viertel des Kalorienrückgangs bei Softdrinks kam laut einer Studie von 2025 durch neue Rezepturen [6][51]. Das muss ich ehrlich anerkennen: Die Hersteller haben umgestellt. Das ist ein echtes Argument, für mich das stärkste der Gegenseite.

Eine Beobachtungsstudie aus England hat ausgewertet, wie sich Adipositas (starkes Übergewicht) bei Grundschulkindern vor und nach Einführung der Abgabe entwickelt hat. Bei Mädchen von 10 bis 11 Jahren lag der Anteil im November 2019 um 1,6 Prozentpunkte niedriger, als nach dem bisherigen Trend zu erwarten war. Die Forschenden rechnen das auf rund 5.234 Fälle pro Jahr hoch. Bei gleichaltrigen Jungen und bei Kindern von 4 bis 5 Jahren fanden sie insgesamt keinen Zusammenhang. Eine solche Studie zeigt einen Zusammenhang, sie beweist nicht, dass die Abgabe die Ursache war [22].
Eine Modellrechnung von Forschenden der TU München kommt für Erwachsene ab 30 Jahren in Deutschland auf bis zu 244.100 verhinderte oder hinausgezögerte Fälle von Typ-2-Diabetes in 20 Jahren [25]. Diese Zahl gilt für eine gestaffelte Abgabe nach britischem Vorbild und setzt voraus, dass die Hersteller den Zucker in ihren Getränken um 30 % verringern. Je nach Annahmen reicht die Spanne laut FinanzKommission von 32.000 bis 244.000 Fällen [6]. Das ist eine Rechnung, keine Messung.
Dafür sind unter anderem die Deutsche Diabetes Gesellschaft, die Bundesärztekammer (für eine klug ausgestaltete Abgabe), der Verbraucherzentrale Bundesverband und foodwatch [31][10][30][32]. Klingbeil sagte laut dpa-Meldungen vom 2. Oktober 2026 gegenüber ZDFheute und RTL/ntv: „Wir wollen die Gesundheitsprävention stärken, wir wollen unsere Kinder schützen. Wir sehen, dass es eine große Unterstützung in der Bevölkerung gibt.“ [12][13]
Mein Wunsch ist ganz unspektakulär: der Zuckerwert pro 100 ml groß auf der Vorderseite, damit du im Regal sofort siehst, woran du bist. Heute ist sogar der Nutri-Score in Deutschland freiwillig [28], eine nationale Pflicht lässt das EU-Recht laut Bundesregierung (Stand 2021) nicht zu [27].
Mehr Aufklärung wollen beide Seiten. Neun Landesminister von CDU und CSU fordern mehr Ernährungsbildung [16], und Klingbeil sprach sich laut AOK-Fachdienst dafür aus, stärker über Gesundheitsgefahren aufzuklären [10].
Ich kaufe zuckerarme Produkte gern im Angebot auf Vorrat, und keine Steuer auf das Original macht sie einen Cent günstiger. Bis der Zuckerwert vorne steht, hilft selbst nachsehen: Wie du eine Nährwerttabelle liest, lernst du in wenigen Minuten.
Geplant sind 26 Cent pro Liter bei 5,0 g bis unter 8,0 g Zucker pro 100 ml und 32 Cent ab 8,0 g [1]. Mit 19 % Mehrwertsteuer sind das bei voller Weitergabe rund 31 und rund 38 Cent. Unter 5,0 g fällt nichts an.
Auf gesüßte Getränke ab 5,0 g Zucker pro 100 ml, etwa Limonaden, Eistees, Energydrinks, Fruchtnektar und Sirupe [1]. Ausgenommen sind unter anderem Zero, reine Säfte, Milch- und Haferdrinks sowie alkoholfreies Bier [1].
Nein. Getränke mit Süßungsmitteln sind ausgenommen, also auch Cola Zero und Light-Getränke [1]. Ein Papier aus dem Finanzministerium sah im August 2026 noch eine Steuer auf Zero vor. Das ist überholt [10][11].
Geplant ist der 1. Juli 2027, aber nur, wenn der Bundestag sie beschließt [1]. Ältere Angaben wie „ab 2028“ sind überholt [7].
Noch nicht. Das Kabinett hat am 14. Oktober 2026 eine Formulierungshilfe beschlossen, einen Gesetzestext für die Fraktionen von Union und SPD [1]. Zustimmen muss noch der Bundestag, für die Befreiung von Betrieben bis 1 Million Liter auch die EU-Kommission [1].
Nein. Sie betrifft nur Getränke sowie Sirupe und Konzentrate [1]. Süßigkeiten, Schokolade, Backwaren und andere zuckerhaltige Lebensmittel bleiben außen vor.
Kritiker nennen höhere Preise, die Haushalte mit wenig Geld relativ stärker treffen können [19], Aufwand beim Zoll [5] und eine unsichere Wirkung auf die Gesundheit von Erwachsenen [6]. Reine Säfte mit viel Zucker bleiben zudem steuerfrei [1].
Über 100 Länder erheben Abgaben auf gezuckerte Getränke [6], darunter Großbritannien seit 2018 [21] und Mexiko seit 2014 [24]. Deutschland hatte bis 1992 eine Steuer auf Zucker an sich, sie wurde zum 1. Januar 1993 abgeschafft [26][5].
Bei der Ernährungsberatung habe ich gelernt, wie viel Wissen bewegt. Die Zuckersteuer setzt dagegen auf den Preis, lässt reinen Saft und Süßwaren außen vor und bringt dem Bund viel Geld. Deshalb überzeugt sie mich nicht, auch wenn Großbritannien zeigt, dass Hersteller reagieren. Mein Vorschlag für dich: Nimm beim nächsten Einkauf dein Lieblingsgetränk in die Hand und schau auf den Zuckerwert pro 100 ml. Liegt er unter 5,0 g, fällt keine Zuckersteuer an. Für Grün bei 5sugar dürfen es bei Getränken höchstens 2,5 g sein. Wer das ein paarmal gemacht hat, braucht kein Preisschild, um anders einzukaufen.
Die Abschnitte „Was ich an der Zuckersteuer kritisiere“, „Was ich mir stattdessen wünsche“ und „Mein Fazit“ geben meine persönliche Meinung wieder.
Updates zu diesem Artikel
Sobald der Bundestag entscheidet, aktualisiere ich diesen Artikel.
Hier findest du alle Quellen, auf die ich mich in diesem Artikel stütze. Stand: 15. Oktober 2026.
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