
Hintergrundwissen
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Kurz-Antwort: Diabetes ist längst eine globale Volkskrankheit: 2021 lebten laut International Diabetes Federation weltweit rund 537 Millionen Erwachsene mit Diabetes, das sind 10,5 % der erwachsenen Weltbevölkerung. Bis 2045 werden über 783 Millionen erwartet. Die Region Naher Osten und Nordafrika verzeichnet mit 18,1 % die weltweit höchste Prävalenz. Unbehandelt oder schlecht eingestellt drohen schwere Folgeerkrankungen: Netzhautschäden bis zur Erblindung, Nierenversagen, Nervenschäden, Herzinfarkt, Schlaganfall und Amputationen. Die gute Nachricht: Eine gute Blutzuckereinstellung kann das Fortschreiten vieler dieser Komplikationen um bis zu 76 % senken.
Diabetes wird im Alltag oft verharmlost, sobald Medikamente oder Insulin die Werte einigermaßen im Griff halten. Dabei zeigt die Forschung, dass körperliche und teils auch psychische Folgen des Diabetes schon sehr früh auftreten können – manchmal bereits bei der Diagnose selbst, etwa in Form erster Nerven- oder Netzhautveränderungen. Fachleute sprechen deshalb bewusst nicht von „Spätfolgen“, sondern von Folgeerkrankungen oder -komplikationen, weil sie eben nicht erst nach Jahrzehnten, sondern oft schon deutlich früher beginnen.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Menschen mit Diabetes weltweit (2021) | ca. 537 Millionen (10,5 % der Erwachsenen) |
| Prognose für 2045 | ca. 783 Millionen (über 12 %) |
| Höchste Prävalenz weltweit (MENA-Region: Naher Osten & Nordafrika) | 18,1 % |
| Diabetes-Prävalenz in Deutschland | 7,2 % der Erwachsenen |
| Unentdeckte Fälle in einkommensschwachen/-mittleren Ländern | etwa jeder zweite Fall |
Besonders die Golfstaaten und weite Teile der MENA-Region gehören seit Jahren zu den am stärksten betroffenen Regionen weltweit – ein Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, veränderten Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsmangel wird hierfür verantwortlich gemacht.
Bei der Retinopathie kommt es zu Gefäßschäden an der Netzhaut, wodurch diese schlechter durchblutet wird. Sie betrifft etwa 40 % der Menschen mit Typ-1- und rund 20 % mit Typ-2-Diabetes. Nach 20 Jahren Diabetesdauer finden sich bei bis zu 90 % der Betroffenen Netzhautveränderungen. Zwischen dem 20. und 65. Lebensjahr ist die Retinopathie die häufigste Ursache für Erblindung überhaupt. Das Risiko zu erblinden ist bei Diabetes insgesamt etwa doppelt so hoch wie in der Allgemeinbevölkerung.
Die Nieren gehören zu den Organen, die durch dauerhaft erhöhten Blutzucker und Bluthochdruck besonders stark beansprucht werden. Unbehandelt kann eine Nephropathie bis zum vollständigen Nierenversagen fortschreiten, das eine Dialyse oder Transplantation erforderlich macht.
Nervenschäden betreffen besonders häufig die Füße und können von Kribbeln und Taubheitsgefühl bis zu chronischen Schmerzen reichen. In Kombination mit Durchblutungsstörungen steigt dadurch auch das Risiko für schlecht heilende Wunden am Fuß, die im fortgeschrittenen Stadium zu einer Amputation führen können.
Diabetes beschädigt auf Dauer auch die großen Blutgefäße. Das Schlaganfallrisiko ist bei Diabetes etwa doppelt so hoch wie ohne die Erkrankung, ebenso ist das Risiko für einen Herzinfarkt deutlich erhöht. Diese Gefäßschäden zählen zu den häufigsten Todesursachen bei Menschen mit Diabetes.
Diabetes wirkt sich auch auf das psychische Wohlbefinden aus. Als mögliche Begleiterkrankungen werden unter anderem depressive Störungen, Angststörungen und Zwangsstörungen genannt – ein Aspekt, der in der öffentlichen Wahrnehmung von Diabetes häufig komplett übersehen wird.
Eine der wichtigsten und zugleich am meisten unterschätzten Erkenntnisse: Folgeerkrankungen beginnen nicht erst nach Jahrzehnten. Bei Typ-2-Diabetes wird deshalb empfohlen, die erste augenärztliche Kontrolle direkt nach der Diagnose durchzuführen, da die eigentliche Stoffwechselstörung zu diesem Zeitpunkt oft schon länger unentdeckt bestand. Bei Typ-1-Diabetes wird das erste Netzhaut-Screening spätestens innerhalb von 5 Jahren nach Diagnosestellung empfohlen. Grundsätzlich gilt: Je länger der Diabetes besteht und je schlechter der Blutzucker eingestellt ist, desto höher das Risiko und desto weiter fortgeschritten die Veränderungen.
Die entscheidende gute Nachricht in all dem: Das Risiko lässt sich durch konsequentes Handeln deutlich senken.
Diabetes-Folgeerkrankungen können das Leben erheblich einschränken – von chronischen Schmerzen über den Verlust von Selbstständigkeit bis hin zu lebensbedrohlichen Ereignissen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Genau das macht es so wichtig, Diabetes nicht als bloße „Zuckerkrankheit“ abzutun, die mit der Einnahme von Tabletten oder Insulin bereits vollständig erledigt ist. Die Therapie behandelt in erster Linie den Blutzuckerwert – die Vorbeugung der Folgeerkrankungen erfordert zusätzliches, aktives Handeln bei Blutdruck, Blutfetten, Vorsorgeuntersuchungen und Lebensstil.
Welche Folgeerkrankung ist bei Diabetes am häufigsten? Netzhautveränderungen (Retinopathie) gehören zu den häufigsten Folgeerkrankungen und betreffen nach 20 Jahren Diabetesdauer bis zu 90 % der Betroffenen.
Ab wann sollte ich zur augenärztlichen Kontrolle gehen? Bei Typ-2-Diabetes direkt nach der Diagnose, bei Typ-1-Diabetes spätestens innerhalb von 5 Jahren nach Diagnosestellung, danach in der Regel jährlich.
Kann ich Folgeerkrankungen tatsächlich verhindern? Ja, in erheblichem Umfang. Eine gute Blutzuckereinstellung kann das Risiko für das Fortschreiten einer Retinopathie beispielsweise um bis zu 76 % senken.
Warum sind arabische Länder und die USA besonders stark betroffen? Die MENA-Region (Naher Osten und Nordafrika) verzeichnet mit 18,1 % die weltweit höchste Diabetes-Prävalenz, begünstigt durch eine Kombination aus genetischer Veranlagung, veränderten Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsmangel.
Können Diabetes-Folgeerkrankungen tödlich sein? Ja. Herzinfarkt und Schlaganfall zählen zu den häufigsten Todesursachen bei Menschen mit Diabetes, das Schlaganfallrisiko ist etwa doppelt so hoch wie ohne die Erkrankung.
Diabetes ist weit mehr als ein Blutzuckerwert, der medikamentös reguliert wird – die möglichen Folgeerkrankungen betreffen Augen, Nieren, Nerven, Herz und Gefäße und können das Leben erheblich beeinträchtigen oder verkürzen. Gerade weil viele dieser Veränderungen bereits früh beginnen, lohnt es sich, Vorsorgeuntersuchungen ernst zu nehmen und Blutzucker, Blutdruck und Blutfette aktiv im Blick zu behalten, statt sich allein auf die medikamentöse Einstellung zu verlassen.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Sprich Vorsorgeuntersuchungen und deine persönlichen Risikofaktoren mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.
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