
Hintergrundwissen · Ratgeber & Tipps
Ratgeber & Tipps

Kurz-Antwort: Nein, Honig ist trotz seines Images als „natürliche“ Alternative kein unbedenkliches Lebensmittel für Diabetiker. Er besteht zu rund 80 % aus Zucker, hat mit einem glykämischen Index von etwa 50 bis 60 nur geringfügig weniger Effekt auf den Blutzucker als Haushaltszucker (GI 60–65) und wird in Zutatenlisten wie jeder andere Zucker behandelt. Eine placebokontrollierte Studie zeigte sogar, dass 50 g Honig täglich über acht Wochen den Langzeitzuckerwert (HbA1c) im Vergleich zu einer Kontrollgruppe signifikant verschlechterte. Deine Skepsis war also berechtigt.
Du beschreibst es genau richtig: Wer in Diabetiker-Shops Honig im Sortiment findet, denkt zunächst „Diabetiker und ich kann Honig?! Großartig!“ – und genau diese erste Reaktion ist verständlich, aber trügerisch. Das Problem liegt nicht darin, dass Honig Diabetikern verboten wäre, sondern darin, wie er vermarktet wird: als vermeintlich unbedenkliche, „natürliche“ Alternative zu Zucker, obwohl die Datenlage das nur sehr eingeschränkt hergibt.
Honig besteht zu etwa 80 % aus Zuckern, überwiegend Fruchtzucker (Fruktose) und Traubenzucker (Glukose) in ungefähr gleichen Anteilen, dazu kommen kleinere Mengen Saccharose. Damit unterscheidet sich Honig in der Grundzusammensetzung deutlich weniger von Haushaltszucker, als es das positive Image vermuten lässt.
Honig hat mit einem glykämischen Index von etwa 50 bis 60 einen etwas niedrigeren Wert als Haushaltszucker mit rund 60 bis 65. Klingt zunächst nach einem Vorteil – ist aber weit entfernt von einem echten Freifahrtschein. Ein GI von 50 bis 60 gilt weiterhin als moderat bis hoch, verglichen mit wirklich blutzuckerfreundlichen Lebensmitteln wie Nüssen oder Vollkornprodukten, die deutlich niedrigere Werte erreichen. Der Unterschied zu Zucker ist also messbar, aber klein – und je nach Honigsorte schwankt der GI-Wert zusätzlich stark, abhängig vom Fruktoseanteil: Je flüssiger und fruktosereicher der Honig, desto tendenziell niedriger der GI.
Viele Anbieter werben mit angeblichen Vorteilen von Honig bei Diabetes – entzündungshemmend, antioxidativ, „gut für den Blutzucker“. Eine kontrollierte Untersuchung liefert dazu ein deutlich ernüchterndes Ergebnis: Bei einem täglichen Konsum von 50 g Honig über acht Wochen verschlechterte sich der HbA1c-Wert – der wichtigste Langzeitmarker für die Blutzuckerkontrolle – im Vergleich zu einer Kontrollgruppe signifikant. Interessant dabei: Der Taillenumfang der Honig-Gruppe verringerte sich zwar leicht, während er in der Kontrollgruppe zunahm – ein Detail, das zeigt, wie widersprüchlich sich einzelne gesundheitliche Effekte von Honig darstellen können. Für die eigentliche Blutzuckerkontrolle war das Ergebnis aber eindeutig negativ.
Hierfür gibt es, anders als etwa beim EU-Health-Claim für Hafer-Beta-Glucan, keine vergleichbare offizielle, wissenschaftlich geprüfte Zulassung für Honig im Zusammenhang mit Diabetes. Die Vermarktung stützt sich meist auf den etwas niedrigeren glykämischen Index sowie auf allgemeine, teils vorläufige Studien zu Antioxidantien und entzündungshemmenden Eigenschaften – Effekte, die aber auch viele andere, für den Blutzucker deutlich unbedenklichere Lebensmittel bieten, ganz ohne den Zuckeranteil von Honig in Kauf nehmen zu müssen.
Du fragst, ob du falschliegst, wenn du Honig für gefährlich hältst. Die Datenlage gibt dir weitgehend recht: Honig sollte in der Nährwertbetrachtung wie jeder andere zugesetzte Zucker behandelt werden, nicht wie eine unbedenkliche Ausnahme. Nach unserer eigenen 5%-Regel liegt Honig mit rund 80 g Zucker pro 100 g meilenweit über der Grenze von 5 g – ein klares „Rotes Licht“, ganz unabhängig vom Marketing.
Die gute Nachricht: Auf das winterliche Ritual musst du nicht komplett verzichten, du kannst es nur bewusster gestalten:
Ist Honig wirklich besser für den Blutzucker als Zucker? Nur geringfügig. Der glykämische Index von Honig liegt bei etwa 50 bis 60, der von Haushaltszucker bei 60 bis 65 – ein kleiner, aber kein entscheidender Unterschied.
Warum wird Honig trotzdem oft als Alternative für Diabetiker beworben? Meist aufgrund des etwas niedrigeren glykämischen Index sowie allgemeiner Studien zu Antioxidantien – eine offizielle, wissenschaftlich geprüfte Zulassung wie bei Hafer-Beta-Glucan gibt es für Honig im Zusammenhang mit Diabetes nicht.
Was zeigen Studien zum tatsächlichen Effekt von Honig auf den Blutzucker? Eine Untersuchung mit täglich 50 g Honig über acht Wochen zeigte eine signifikante Verschlechterung des HbA1c-Werts im Vergleich zu einer Kontrollgruppe.
Muss ich komplett auf Honig verzichten? Nicht zwangsläufig, aber er sollte wie jeder andere zugesetzte Zucker betrachtet und entsprechend selten und in kleinen Mengen genossen werden.
Gibt es Honigsorten, die besser für Diabetiker geeignet sind? Fruktosereichere, flüssigere Sorten wie Akazienhonig haben tendenziell einen etwas niedrigeren glykämischen Index, der grundsätzliche Zuckergehalt bleibt aber in jeder Honigsorte hoch.
Deine Beobachtung war goldrichtig, und genau solche Momente waren am Ende auch der Anstoß für 5Sugar: „Für Diabetiker geeignet“ bedeutet eben nicht automatisch „unbedenklich für den Blutzucker“. Honig ist geschmacklich wunderbar, aber ernährungsphysiologisch näher an Zucker als sein Image vermuten lässt – wer ihn genießt, sollte das bewusst und in kleinen Mengen tun, nicht im Glauben an eine diabetesfreundliche Ausnahme.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ernährungsmedizinische Beratung.
Scanne den Barcode im Supermarkt und du siehst sofort, ob ein Produkt die 5-%-Regel schafft. Direkt im Browser, ohne App-Installation.
Jetzt Produkt scannen