Unterzuckerung (Hypoglykämie): Symptome erkennen und richtig reagieren
Kurz-Antwort: Eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) beginnt meist bei Blutzuckerwerten unter 70 mg/dl und äußert sich durch Zittern, Schweißausbrüche, Herzklopfen und Heißhunger. Bei einer schweren Unterzuckerung (unter 40 mg/dl) drohen Konzentrations- und Sehstörungen, Krämpfe oder Bewusstlosigkeit. Ist die betroffene Person ansprechbar, helfen schnell wirksame Kohlenhydrate wie Traubenzucker oder ein normales (nicht Light-) zuckerhaltiges Getränk. Bei Bewusstlosigkeit sofort den Notruf 112 wählen und, falls vorhanden, ein Glukagon-Notfallset anwenden.
Was ist eine Unterzuckerung?
Von einer Hypoglykämie sprechen Ärztinnen und Ärzte, wenn der Blutzuckerspiegel so weit absinkt, dass typische Symptome auftreten – meist unterhalb von 70 mg/dl (3,9 mmol/l). Eine ausgeprägte, schwere Unterzuckerung liegt bei Werten unter 40 mg/dl (2,2 mmol/l) vor. Betroffen sind vor allem Menschen, die Insulin oder bestimmte Diabetes-Medikamente (Sulfonylharnstoffe) einnehmen. Laut einer Erhebung des Robert-Koch-Instituts erleiden in Deutschland jährlich rund 2,5 % der Menschen mit Diabetes eine behandlungsbedürftige Unterzuckerung – sie zählt damit zu den häufigsten Diabetes-Notfällen überhaupt.
Symptome einer Unterzuckerung
Frühe, meist noch selbst erkennbare Symptome:
- Zittern
- Schweißausbrüche
- Herzklopfen
- Heißhunger
- Blässe im Gesicht
- Konzentrationsschwierigkeiten
Symptome einer schweren Unterzuckerung:
- Sprach- oder Sehstörungen
- Schwindel
- Krämpfe
- Bewusstlosigkeit
Der Übergang von leichten zu schweren Symptomen kann innerhalb kurzer Zeit erfolgen, weshalb frühzeitiges Handeln entscheidend ist.
Was tun bei Unterzuckerung – Schritt für Schritt
Wenn die betroffene Person ansprechbar ist:
- Sofort schnell wirksame Kohlenhydrate zu sich nehmen, zum Beispiel Traubenzucker, ein zuckerhaltiges Getränk (Cola, Limonade, Saft – ausdrücklich keine Light- oder Zero-Variante) oder Gummibärchen.
- Fett- und proteinreiche Lebensmittel wie Schokolade sind ungeeignet, da sie den Blutzucker nur langsam ansteigen lassen.
- Nach etwa 15 Minuten den Blutzucker erneut messen. Liegt der Wert weiterhin niedrig, den ersten Schritt wiederholen.
- Sobald sich der Wert stabilisiert hat, eine Mahlzeit oder einen Snack mit länger wirksamen Kohlenhydraten (z. B. Brot, Kartoffeln, Reis) einnehmen, um ein erneutes Absinken zu vermeiden.
Wenn die Person nicht mehr ansprechbar ist:
- Sofort den Notruf 112 wählen.
- Der Person nichts zu essen oder zu trinken geben – bei Bewusstlosigkeit besteht Erstickungsgefahr.
- Falls vorhanden, ein Glukagon-Notfallset anwenden (Spritze oder Nasenspray, z. B. unter dem Handelsnamen Baqsimi) – diese Mittel dürfen auch bei bewusstlosen Personen eingesetzt werden.
- Die Person in eine stabile Seitenlage bringen und bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes beobachten.
Warum ein Glukagon-Notfallset sinnvoll ist
Glukagon ist der natürliche Gegenspieler von Insulin und lässt den Blutzucker innerhalb weniger Minuten ansteigen. Ein Glukagon-Notfallset kann von Angehörigen oder anderen Personen im Umfeld verabreicht werden, wenn die betroffene Person sich nicht mehr selbst helfen kann. Es ist sinnvoll, nahestehende Personen frühzeitig im Umgang mit dem eigenen Notfallset vertraut zu machen, damit im Ernstfall keine Zeit verloren geht.
Was begünstigt eine Unterzuckerung?
- Zu hohe Insulindosis im Verhältnis zur aufgenommenen Nahrung
- Ausgelassene oder verspätete Mahlzeiten nach der Insulingabe
- Ungewohnt intensive oder länger andauernde körperliche Aktivität
- Alkoholkonsum, der die körpereigene Zuckerproduktion in der Leber hemmen kann
So beugst du einer Unterzuckerung vor
- Immer schnell wirksame Kohlenhydrate (z. B. Traubenzucker) griffbereit haben
- Bei bekannter Diabetes-Erkrankung einen Diabetes-Notfallausweis mit sich führen
- Personen im nahen Umfeld über die Erkrankung und den richtigen Umgang mit einem Notfallset informieren
- Blutzucker regelmäßig kontrollieren, insbesondere vor und nach ungewohnter körperlicher Aktivität
Häufige Fragen zur Unterzuckerung (FAQ)
Ab welchem Blutzuckerwert spricht man von einer Unterzuckerung? Erste Symptome können bereits unter 70 mg/dl auftreten, eine schwere Unterzuckerung liegt bei Werten unter 40 mg/dl vor.
Was sollte ich bei einer Unterzuckerung essen oder trinken? Schnell wirksame Kohlenhydrate wie Traubenzucker, normale (nicht Light- oder Zero-) zuckerhaltige Getränke oder Gummibärchen. Fettreiche Lebensmittel wie Schokolade eignen sich weniger, da sie den Blutzucker nur langsam anheben.
Was mache ich, wenn eine Person mit Unterzuckerung bewusstlos wird? Sofort den Notruf 112 verständigen, der Person nichts zu essen oder zu trinken geben und, falls vorhanden, ein Glukagon-Notfallset anwenden.
Kann eine Unterzuckerung auch ohne Diabetes auftreten? Ja, wenn auch selten. Bei manchen Menschen können in bestimmten Situationen wie längerem Fasten ähnliche Symptome auftreten, auch ohne dass ein Diabetes vorliegt.
Wie kann ich einer Unterzuckerung vorbeugen? Regelmäßige Blutzuckerkontrollen, ein gut abgestimmter Therapieplan mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt sowie das ständige Mitführen schnell wirksamer Kohlenhydrate senken das Risiko deutlich.
Mein Fazit
Eine Unterzuckerung kann schnell gefährlich werden, lässt sich aber in den meisten Fällen genauso schnell wieder in den Griff bekommen – vorausgesetzt, die Symptome werden früh erkannt und richtig gehandelt wird. Traubenzucker griffbereit haben, das nahe Umfeld informieren und im Zweifel nicht zögern, den Notruf zu wählen: Das sind die wichtigsten Bausteine, um im Ernstfall vorbereitet zu sein.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Bei wiederholten oder unklaren Unterzuckerungen sprich bitte mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
