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Hintergrundwissen · Ratgeber & Tipps

Kurz-Antwort: Es kommt entscheidend darauf an, ob du Insulin spritzt oder nicht. Insulinpflichtiger Diabetes – egal ob Typ 1 oder Typ 2 – führt in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleichermaßen zu einem dauerhaften Ausschluss von der Blutspende. Wird der Blutzucker dagegen ausschließlich durch Diät, Bewegung oder Tabletten (orale Antidiabetika) eingestellt, ist eine Blutspende grundsätzlich möglich – die endgültige Entscheidung trifft aber immer die Spendeärztin oder der Spendearzt vor Ort am Tag der Spende.
Ich habe die seltene Blutgruppe 0 Rhesus negativ, habe noch nie Alkohol getrunken, rauche nicht und ernähre mich bewusst. Eigentlich beste Voraussetzungen für eine Blutspende – 0 negativ gilt schließlich als Universalspender-Blutgruppe, die im Notfall für praktisch jeden Empfänger verwendet werden kann. Durch meinen Diabetes stelle ich mir aber immer wieder die Frage, ob das überhaupt noch geht. Zeit, das einmal gründlich für den ganzen deutschsprachigen Raum zu klären.
In allen drei DACH-Ländern gilt im Kern dieselbe Regelung, die sich an gemeinsamen europäischen Vorgaben orientiert:
Das bedeutet konkret: Ob du spenden darfst, hängt nicht am Diabetes-Typ an sich, sondern an der Art deiner aktuellen Behandlung.
Dahinter stecken zwei unterschiedliche Schutzgedanken:
Schutz der spendenden Person selbst: Der plötzliche Blutverlust bei der Spende (rund einen halben Liter innerhalb weniger Minuten) sowie möglicher Stress während der Blutentnahme können bei insulinpflichtigem Diabetes eine Blutzuckerentgleisung begünstigen. Zudem ist das Risiko für Unterzuckerungen bei einer Insulinbehandlung höher als bei einer Tabletteneinstellung.
Schutz der empfangenden Person: Wer sich regelmäßig Insulin spritzt, hat ein erhöhtes Risiko für kleine Infektionen an der Einstichstelle. Eine Untersuchung ergab, dass bis zu 80 % der Diabetiker in Deutschland ihre Pen-Nadeln mehrfach verwenden, im Schnitt etwa fünfmal, statt sie nach jeder Anwendung zu wechseln – ein Umstand, der das Infektionsrisiko zusätzlich erhöhen kann.
Manche Blutspendedienste haben ihre Kriterien inzwischen etwas differenziert: Bestimmte Medikamente aus der Wirkstoffklasse der GLP-1-Rezeptoragonisten (die auch als „Abnehmspritze“ bekannt sind) werden bei manchen Diensten unter bestimmten Voraussetzungen freigegeben, etwa bei beschwerdefreiem Typ-2-Diabetes und Anwendung zur Gewichtsreduktion, sofern moderne Einmal-Pens verwendet werden, bei denen das Infektionsrisiko durch die Konstruktion praktisch ausgeschlossen ist. Auch bei bestimmten neueren Wirkstoffen wie SGLT2-Hemmern (z. B. Präparate mit den Wirkstoffen Dapagliflozin oder Empagliflozin) kann wegen eines möglicherweise erhöhten Risikos für Harnwegsinfektionen eine vorübergehende Rückstellung während der Einnahme gelten – hier lohnt sich immer das direkte Gespräch mit dem Blutspendedienst vor Ort.
| Land | Insulinpflichtiger Diabetes | Diät-/tablettengeführter Diabetes |
|---|---|---|
| Deutschland | Dauerhafter Ausschluss (Richtlinie Hämotherapie, Bundesärztekammer) | Grundsätzlich spendefähig |
| Österreich | Dauerhafter Ausschluss (gleiche Kriterien wie in Deutschland) | Grundsätzlich spendefähig |
| Schweiz | Insulin per Spritze: nicht möglich (Blutspende SRK Schweiz) | Grundsätzlich spendefähig |
Die Regelungen sind zwischen den drei Ländern inhaltlich nahezu deckungsgleich, da sie sich an vergleichbaren europäischen und Swissmedic-geprüften Standards orientieren.
Wer wegen einer Insulintherapie von der Blutspende ausgeschlossen ist, kann sich trotzdem sinnvoll engagieren: als ehrenamtliche Unterstützung bei Blutspendeterminen vor Ort, durch die Organisation einer Blutspendeaktion im eigenen Unternehmen, oder indem man im Umfeld gezielt für die Blutspende wirbt – gerade bei seltenen Blutgruppen wie 0 negativ ist der Bedarf an Spenderinnen und Spendern ohnehin dauerhaft hoch.
Darf ich mit Typ-2-Diabetes Blut spenden? Ja, sofern du deinen Blutzucker ausschließlich mit Diät, Bewegung oder Tabletten einstellst und keine weiteren Ausschlusskriterien vorliegen. Insulin führt dagegen zum dauerhaften Ausschluss.
Warum dürfen insulinpflichtige Diabetiker kein Blut spenden? Aus zwei Gründen: zum Schutz der spendenden Person vor möglichen Blutzuckerentgleisungen durch den Blutverlust, und zum Schutz der empfangenden Person vor einem erhöhten Infektionsrisiko durch die häufige Insulin-Injektion.
Gilt die Regel in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleich? Ja, in allen drei Ländern führt eine Insulintherapie zum dauerhaften Ausschluss, während eine tablettengeführte Behandlung grundsätzlich eine Spende ermöglicht.
Kann ich mit Diabetes wenigstens Blutstammzellen spenden? Das hängt von den spezifischen Kriterien des jeweiligen Stammzellregisters ab und sollte individuell direkt mit der zuständigen Organisation geklärt werden.
Was mache ich, wenn ich wegen meines Diabetes nicht spenden darf, aber trotzdem helfen möchte? Du kannst dich ehrenamtlich bei Blutspendeterminen engagieren oder eine Blutspendeaktion in deinem Unternehmen oder Umfeld organisieren.
So ernüchternd es klingt: Mit insulinpflichtigem Diabetes bleibt die Blutspende aus gutem Grund verwehrt, auch wenn man wie ich mit einer seltenen, eigentlich wertvollen Blutgruppe eigentlich gerne helfen würde. Wer seinen Diabetes dagegen ohne Insulin, also über Ernährung, Bewegung oder Tabletten im Griff hat, kann in allen drei DACH-Ländern grundsätzlich weiterhin spenden – die letzte Entscheidung trifft aber immer die Ärztin oder der Arzt vor Ort am Spendetag.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Ob eine Blutspende für dich persönlich infrage kommt, kläre am besten direkt mit dem zuständigen Blutspendedienst.
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